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Nachhaltigkeitsberichterstattung
Von der Umwelt- zur Nachhaltigkeitsberichterstattung
Die heute bei großen Unternehmen verbreitete
Nachhaltigkeitsberichterstattung hat sich aus der Umweltberichterstattung
entwickelt. Die ersten Umweltberichte wurden Ende der 1980er
Jahre von Chemiekonzernen veröffentlicht, als sich die
Branche starker öffentlicher Kritik ausgesetzt sah und
ihr Image verbessern wollte. Weitere Pioniere waren kleine
und mittelständische Vorreiterunternehmen, die über
ihre herausragenden Aktivitäten im Umweltschutz berichten
wollten.
Seit der Einführung der EG-Öko-Audit-Verordnung
(EMAS) im Jahr 1995 wurden zahlreiche Umwelterklärungen
erstellt. Diese sind als eine Form der Umweltberichterstattung
anzusehen und unterschieden sich oftmals auch nicht von ungeprüften
Umweltberichten. Ende der 1990er Jahre begannen die ersten
Unternehmen Nachhaltigkeitsberichte zu erstellen, indem sie
zusätzlich über soziale und ökonomische Themen
informierten. Inzwischen ist die Berichterstattung über
die Umweltschutzaktivitäten und soziale Belange bei großen
Unternehmen weiter verbreitet als die reine Umweltberichterstattung.
Allmählich entwickelt sich auch ein Konsens, über
welche Themen berichtet werden sollte.
Internationale Tendenzen
Waren deutsche Unternehmen früher Vorreiter
in Sachen Umweltberichterstattung, so sieht es bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung
nicht mehr ganz so gut aus. Inzwischen stammen die meisten
Berichte vornehmlich aus angelsächsischen Ländern.
Länder wie Italien, Frankreich, Spanien und Japan ziehen
nach, haben aber nach unserer Einschätzung bis auf Japan
das deutsche Niveau noch nicht erreicht.
Die internationale Nachhaltigkeitsberichterstattung
entscheidend gefördert haben vor allem zwei Faktoren:
Einerseits die Arbeit der Global Reporting Initiative (GRI)
(www.globalreporting.org),
die den international anerkannten GRI-Leitfaden für zu
Nachhaltigkeitsberichterstattung (GRi G3) vorgelegt hat. Andererseits
die zunehmende Bedeutung der ökologisch-ethischen Finanzanlagen
(Socially Responsible Investments, SRI) und der entsprechenden
Indizes wie z.B. der Dow Jones Sustainability Group Index
(www.sustainability-indexes.com).
Hierfür bewerten entsprechende SRI Ratingagenturen die
Performance der Unternehmen im Umweltschutz und im sozialen
Bereich (z.B. www.sam-group.com, www.oekom.com, www.siri-group.com).
Dabei stützen sie sich u.a. auch auf die von den Unternehmen
publizierten Nachhaltigkeitsberichte.
Gesetzliche Berichtspflicht
In einigen Ländern gibt es eine gesetzliche
Verpflichtungen für bestimmte Unternehmen, über
Nachhaltigkeitsaspekte zu berichten: Dänemark und die
Niederlande waren die ersten Länder, die eine solche
Berichtspflicht erlassen haben. In Frankreich besteht seit
2003 für die 200 größten börsennotierten
Gesellschaften die Pflicht, innerhalb des Geschäftsberichts
Zahlen und Informationen zum Umweltschutz und zu den Mitarbeiterinteressen
zu veröffentlichen.
In Deutschland wurden im November 2004 durch
das Bilanzrechtsreformgesetz (BilReG) die Anforderungen an
den Konzernlagebericht verändert. Betroffene Unternehmen
müssen seit 2006 über die Entwicklung relevanter
Indikatoren zu Umwelt- und Arbeitnehmerbelange berichten -
sofern diese für den Geschäftserfolg relevant sind.
Vergleichbare Regelungen sind auch in anderen EU-Ländern
anzutreffen, denn die Berichtspflicht geht auf eine entsprechende
EU Richtlinie zurück. Die Auswirkungen in Deutschland
wurden u.a. von uns gemeinsam mir Partnern (siehe Projektinformation)
wie auch von Deloitte
untersucht.
Rankings und Preise
Die Qualität der Nachhaltigkeitsberichte
wird wesentlich durch Rankings und Auszeichungen unabhängiger
Institutionen gefördert. International bekannt sind das
Ranking der britischen Beratungsgesellschaft SustainAbility
(www.sustainability.com)
und der Europäische Umweltberichterstattungspreis der
Wirtschaftsprüferverbände (http://www.accaglobal.com).
In Deutschland wurde schon 1994 von IÖW
und future e.V. das erste Ranking von Umweltberichten und
Umwelterklärungen durchgeführt. Es war die weltweit
erste kriteriengestützte Bewertung von Berichten, in
denen Unternehmen auf freiwilliger Basis ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten
beschreiben.
Weitere Rankings von Umweltberichten folgten
1995, 1998 und 2000. Angesichts der ab Mitte der 1990er Jahre
rasant steigenden Zahl von Umwelterklärungen konzentrierten
sich future und IÖW seit 1998 auf die Berichterstattung
der 150 größten deutschen Unternehmen. Für
das Ranking 2005
wurden die Anforderungen überarbeitet, um künftig
Nachhaltigkeits- und CSR-Berichte nach der vielfach erprobten
Methodik bewerten zu können. Das Ranking
2007 wird derzeit erstellt.
Kerninhalte von Nachhaltigkeitsberichten
Der Rat für Nachhaltige Entwicklung hat
in seinen Empfehlungen zu CSR unter anderem "einen verbindlichen
Rahmen für den sachgerechten Vergleich von Nachhaltigkeits-
und CSR-Berichten" angeraten. Daraufhin hat das Bundesumweltministerium
Kerninhalte von Nachhaltigkeitsberichten aufgestellt. Diese
Kerninhalte gehen bis auf wenige Punkte nicht über die
Anforderungen von GRI G3 hinaus und decken sich auch weitgehend
mit dem deutschen Ranking. Das besondere ist: Sie fassen die
grundsätzlichen Inhalte und Kennzahlen für Nachhaltigkeitsberichte
auf zwei Seiten zusammen. Die Kerninhalte sind in der
BMU-Broschüre zu Nachhaltigkeitsberichterstattung
veröffentlicht.
Weitere Informationen
Enviroreporting (Web Portal) www.enviroreporting.com
Global Reporting Initiative http://www.globalreporting.org
Corporate Register (Archiv) http://www.corporateregister.com
Ranking der Nachhaltigkeitsberichte http://www.ranking-nachhaltigkeitsberichte.de
Ranking der Umweltberichte http://www.ranking-umweltberichte.de/
Japanisches Ranking nach der deutschen Methode
http://www.kino-eco.or.jp/ranking/index.html
Weitere
Informationen zu Nachhaltigkeitsberichterstattung / CSR-Berichterstattung:
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